20190911_Volksfest_Bereitschaft_0192.jpg Foto: A. Fischer (BRK Bereitschaft Freising)
Arbeitsgruppe "Glückshafen"Arbeitsgruppe "Glückshafen"

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Glückshafen - unsere "Losbude"

Ansprechpartner

Bereitschaftsleitung Freising
Markus Schmid,
Benedikt Popken,
Markus Kaiser

Tel: 08161 9671-0
bereitschaft-fs@kvfreising.brk.de

Rotkreuzstr. 13 - 15
85354 Freising

Woher die Idee für einen Glückshafen stammte und wann sie entstand, weiß heute leider keiner mehr. Tatsache ist aber: In Freising betrieb die Stadt bereits vor 130 Jahren bei verschiedenen Veranstaltungen Glückshäfen. Vor allem besser gestellte Bürgerinnen opferten Zeit und Arbeitskraft um für „notleidende Kinder“ oder die „notleidende Bevölkerung“ Geld zu erwirtschaften.

Die Sanitätskolonne leistete seit Beginn der Freisinger Volksfeste stets Sanitätsdienste vor Ort. Ab dem Jahr 1950 durfte das Rote Kreuz auch den Glückshafen übernehmen und um die Einnahmen für eigene Aufgaben zu verwenden. Hier halfen auch die Frauenbereitschaft und der Frauenverein des Roten Kreuzes tatkräftig mit.

Das Ganze war mit sehr viel Arbeit verbunden. So mussten z.B. „Hilfskräfte für den Losverkauf geworben, die Gewinngegenstände besorgt, vielfache Schenkungen und Spenden veranlasst und vermittelt werden.“ Bei den Freisinger Geschäftsleuten wurde für die Verlosung eingekauft. Dazu kamen aber auch sehr viele Sachspenden. BRK- Mitglieder, unterwegs mit einem Handkarren, durften die Sach- und Geldspenden entgegennehmen.

Dann bekam jeder Gewinn eine Nummer, die entsprechend nummerierten Lose wurden zu den Nieten gemischt und für 20 Pfennige pro Stück verkauft.

Die Gewinne waren kunterbunt gemischt. In den Regalen konnte man z.B. Haarwasser, Niveacreme, Kölnisch, Schere, Kamm und Rasierapparat finden. Dazu kamen Kleiderstoffe, Unterhosen, Hemden, Leibwärmer, Sohlenpaare, Kissen und Deckchen. Praktisches für den Haushalt war natürlich ein großer Teil des Angebotes: Ärmelbügelbrett, Teppichklopfer, Kohlenschütte und -schaufel, Schropper, Wichsbürsten und Fahrradbürsten. Schneeschläger, Kuchenkühler, vernickelte Teeeier, Gemüsehobel, emaillierte Brotkörbchen, Beißzangen. Sogar ein Gramola mit einer Schallplatte und einen Koffer-Sprechapparat oder auch mal einen Regulator konnte man gewinnen. Für die Kinder gab es Bären, Puppen, Handschuhaffen und Hanswursten. Heringsgläser, Hartwurst, Weine, Liköre, Schokolade, Pralinen, Malzkaffee, Kakao, sogar silberne Halsketten und Anhänger und vieles, vieles mehr lockte die Besucher an. Den Haupttreffer - ein Fahrrad - verloste man erst zum Schluss. So wurde das Geschäft nochmal gründlich angekurbelt. Wenn alle Gewinne verteilt waren, kam es schon mal vor, dass der Glückshafen leider für die letzten Tage vom Fest schließen musste.

Nach etwa 10 Jahren nahm man einen neuen Glückshafen in Betrieb. Er war größer und so konnten die Gewinne besser ausgestellt werden und die Helfer hatten einfach mehr Platz zur Verfügung. Der Glückshafen selbst bestand ganz aus Holz, wie die anderen Stände eben auch. 30 Jahre lang trotzte er Wind und Wetter und hielt den Anstürmen von gespannten Loskäufern und glücklichen Gewinnern stand. 

Inzwischen hatte man für die Treffer Städtenamen eingeführt. Für Hannover, Köln, Karlsruhe und Stuttgart gab es kleine Gewinne wie Bonbontüten, Luftrüssel, Ballfangspiele, modefarbige Eierbecher, Salz- und Pfefferstreuer oder kleine Küchenmesser. Bei den selteneren und größeren Treffern Nürnberg, Augsburg und München hatte man dann die Qual der Wahl und durfte selbst aussuchen: Vasen, Gläser, Decken, ein kobaltblaues Mokka-Service, eine Teepuppe, ein Bügeleisen oder vielleicht das Stofftier mit Holzwollefüllung?

Eingekauft wurde jetzt hauptsächlich bei der rotkreuzeigenen Beschaffungsstelle für Glückshafenwaren in Ebenhausen.

Die ehrenamtlichen Helfer hatten alle Hände voll zu tun. „Losen“ beim Roten Kreuz gehörte für die meisten Volksfestbesucher einfach dazu. Und wenn man nichts oder nur eine Kleinigkeit gewann war es auch nicht so schlimm - hatte man doch sein Geld für eine gute Sache ausgegeben.

1991 war dann das Jahr, das alle Rekorde brach. In 10 Tagen Freisinger Volksfest wurden insgesamt 1600 Serien a 300 Lose verkauft! Dieses Ergebnis konnte leider nie wieder, nicht mal annähernd erreicht werden.

Im Kreisverband hatte man schon lange auch bei anderen Volksfesten Glückshäfen eingeführt. So wurden auch in Moosburg, Au, Rudelzhausen, Hallbergmoos, Eching, Neufahrn und natürlich in der Schlossallee in Haag Lose verkauft. Auch auf diversen kleineren Festivitäten war man anzutreffen.

Das erste Freisinger Frühlingsfest fand 1994 statt. Jetzt sollte der Glückshafen zweimal jährlich auf- und abgebaut werden. Das konnte der Bauhof aber nicht mehr leisten, denn es war jedes Mal zusätzliche Schwerstarbeit. So suchte man nach einer einfacheren Lösung.

Seit Mai 1995 sieht der Glückshafen ganz anders aus. Ein aufklappbarer Container, der wesentlich schneller aufzustellen ist, leistet seither gute Dienste.

Vieles hat sich seitdem verändert. Aber der tiefere Sinn der Sache ist geblieben. Die Erlöse werden für gemeinnützige Zwecke verwendet. Die Gewinne sind immer noch Dinge des täglichen Lebens wie Haushaltsgeräte, Spielzeug und Gebrauchsartikel. Die Helfer arbeiten ehrenamtlich für den guten Zweck. Man kann nach wie vor in dem Bewusstsein Lose kaufen etwas Gutes zu tun.

Und für die Bevölkerung gehört ein Rot-Kreuz-Glückshafen einfach mit dazu.

„Wir danken!“

Fotos: Erwin Prechtl / Leo Rieder / Johanna Eibl / Stephanie Rickert